RealLabHH: Hamburg erprobt die digitale Mobilität von Morgen

Quelle: Hamburger Hochbahn Verkehr in der Hansestadt Hamburg auf Straße und Schiene

Im Reallabor Hamburg (RealLabHH) soll die Mobilität von morgen im Hier und Jetzt einer Metropole erprobt werden und darauf aufbauend eine Blaupause für die digitale Mobilität der Zukunft entstehen. Die gesellschaftliche Debatte zu digitalen Mobilitätsservices steht dabei im Zentrum, um wichtige Erkenntnisse darüber zu liefern, welche Ansätze sich in der Praxis bewähren.

Die geplanten elf Teilprojekte des RealLabHH reichen vom Mobilitätsbudget anstelle eines Dienstwagens über die Schaffung einer anbieterunabhängigen Mobilitätsplattform bis hin zu Lösungen für besonders schutzbedürftige Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Straßenverkehr. Unter der Konsortialführerschaft der Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN) ist dabei die kontinuierliche und umfassende Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger vorgesehen.  

Das Projekt des RealLabHH geht auf die Initiative der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) zurück, läuft bis Ende 2021 und wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit rund 20,5 Millionen Euro gefördert.

Auf dem ITS-Weltkongress 2021 werden die Ergebnisse des RealLabHH präsentiert. Unterstützt vom BMVI ist die Freie und Hansestadt Hamburg Gastgeber des weltweit größten Kongresses für intelligente Verkehrssysteme und Services (ITS), welcher vom 11. bis 15. Oktober 2021 stattfindet.

 

Laufzeit:
04/2020 bis 12/2021

Auftraggeber:
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI)

Projektpartner:
Eine vollständige Liste der Projektpartner ist hier zu finden.

 

Das DLR im RealLabHH

Das DLR ist mit vier Teilprojekten beteiligt und mit einer Fördersumme von rund 4,1 Mio. Euro der größte Projektpartner. Kern ist der Aufbau einer kombinierten meso-/mikroskopischen Simulation, die es möglich macht das entwickelte Service-Design zu evaluieren und zu bewerten. Durch die Unterstützung des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik ist eine Cockpitlösung vorgesehen – eine graphische Benutzeroberfläche, über die ausgewählte Projektpartner und Nutzer einsehen können, welche Daten eingestellt sind und wie diese Daten verwendet werden zwecks Unterstützung in der Durchführung von Experimenten, um die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems zu verbessern.

Das Bewertungs- und Wirkungsmodell wird einen Beitrag zur Umsetzung neuer Technologien und somit zur Mobilitätswende leisten. Die hier entwickelten Ansätze werden in einer Form aufbereitet, die auch zukünftig eine Übertragung auf andere Städte, Regionen und Projekte ermöglicht. Mit Blick auf die Laufzeit der einzelnen Teilprojekte über den Zeitraum des RealLabHH hinaus wird eine Fortführung angestrebt.

Die Teilprojekte:

Ziel des Teilprojektes ist der Feldversuch und den Einsatz von Shuttle-Prototypen im Randraum (sub-urban) einer Metropole mit Ziel der Evaluation von Verhaltensänderungen und Akzeptanz eines autonomen on-demand-Betriebes auf der “Ersten und Letzten Meile“ im ÖPNV. Fokus liegt auf der Technologie, die zum sicheren und komfortablen Betreiben solcher Fahrzeuge notwendig ist. Das Einsatzgebiet ist Teil des öffentlichen Straßennetzes und beinhaltet daher auch Verkehr manuell betriebener Fahrzeuge.

Das DLR stellt die On Demand-Disposition für die Shuttle-Flotte bereit, sowie einen ÖV-Router, der liniengebundenen ÖV mit on-demand-gesteuertem ÖV kombiniert. Außerdem werden die neuen Aspekte „on-demand + fahrerlose Fahrzeuge + virtuelle Haltestellen“ bezüglich der Nutzeranforderungen evaluiert. Auch in der Leitstelle des Shuttlebetreibers fallen neue Aufgaben an. Hier wird ein prototypischer Arbeitsplatz entwickelt, der den Bedürfnissen (autonom fahrende Fahrzeuge und Störungsmanagement, keine Linien- oder Taktbindung) gerecht wird.

Ziele dieses Teilprojektes sind der Entwurf von Simulationszenarien und die Implementierung dieser für ausgewählte Funktionen des Feldelementes Bahnübergang. Es wird an einem Entwurf eines hybriden Demonstrators gearbeitet, der sowohl die Ergebnisse aus dem Realbetrieb als auch die Ergebnisse aus einer Simulation sichtbar machen kann. Damit können Prüfempfehlungen an Regulierungsbehörden zu den gesetzlichen Grundlagen abgegeben werden, die eine spätere Zulassung ermöglichen.

In diesem Teilprojekt wird die im DLR entwickelte Simulationssoftware SUMO (Simulation of Urban Mobility) verwendet. Die Expertise des DLR fließt hierbei in die Erstellung von Simulationen ein. Es wird eine Architektur eines digitalen Andreaskreuzes entwickelt und als Demonstrator umgesetzt. Dabei werden unterschiedlich gesicherte Bahnübergänge technologisch dazu befähigt, ihren Standort und Öffnungszustand per Funk an Verkehrsteilnehmer des Straßenverkehrs zu senden. Die empfangenen Informationen werden auf Seiten des Straßenverkehrs automatisiert verarbeitet und dem Fahrzeugführer zu Verfügung gestellt. Es erfolgt die Erstellung eines Drehbuches für die Durchführung der Demonstration und ggfs. die Planung für öffentliche Events. In mehreren Workshops mit Rechtsexperten von DB, Siemens und DLR werden die Themen diskutiert und ein Ergebnisdokument als Prüfempfehlung erarbeitet.

Die Dialogstrategie wird vom DLR geleitet und zielt darauf ab, mit den Stakeholdern ins Gespräch zu kommen, die von den projektspezifischen, technologischen Innovationen, die im Mobilitätsbereich im Reallabor Hamburg umgesetzt und erprobt werden sollen, betroffen sind. Der Dialog ergänzt die Anforderungsentwicklung des Teilprojekts „Service Design, Systemarchitektur und Simulation“ und erfasst systematisch Wünsche, Bedürfnisse, Hoffnungen und Hemmnisse der Stakeholder.

Weitere Elemente sind die Definition und die Erprobung von innovativen Informations- und Partizipationsmethoden und deren Wirkung auf Einstellungen von relevanten Stakeholdern. Ergebnisse der Arbeiten sind ein übertragbares Partizipations- und Kommunikationskonzept, die Sammlung von Best Practice Beispielen sowie ein Projektbericht für die Öffentlichkeit.

Ziel dieses vom DLR geleiteten Teilprojektes ist die Einbettung technischer Entwicklungen in ein Ökosystem. Mit Blick auf betriebs- und volkswirtschaftliche Anforderungen soll die nachhaltige Etablierung innovativer Mobilitätservices gewährleistet werden. Unter Berücksichtigung der örtlichen Randbedingungen und Strukturen sind hierbei nicht nur Nachfragemuster für zentrale Bezirke von Metropolregionen zu berücksichtigen, sondern auch die peripheren Bereiche der Metropolen sowie in einem ersten Schritt kleinere und mittlere Großstädte. Die Ergebnisse bilden die Entscheidungsgrundlagen für die Ausgestaltung eines langfristigen Betriebes durch die lokalen Stakeholder. Das Teilprojekt ist somit dafür verantwortlich, dass die in den benachbarten Projekten entwickelten Lösungen in einem Gesamtsystem orchestriert werden, das ein umfassendes Mobilitätsangebot bereitstellt und somit zu einem nachhaltigen Wandel der Mobilitätsgewohnheiten hin zu einer CO2- neutralen Mobilität führt.